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Urteil: Richter am Amtsgericht Freiburg Stark: Dilettantische Urteilsbegründung

Den Bericht über die mündliche Verhandlung zu dieser Farce von einem Gerichtsverfahren können Sie hier lesen: Kleine Würstchen unter schwarzen Roben.
Am 3. 8. 2005 wurde dieser Unsinn vom Landgericht Freiburg 'abserviert' (siehe den Kurzbericht über die Verhandlung, die mit einem Freispruch endete).

Aufgrund der durchgeführten Beweisaufnahme, dabei insbesondere dem Geständnis des Angeklagten und der Einvernahme der Zeugen Rubsamen, Weckerle und Geißler steht folgender Sachverhalt zur Überzeugung des Gerichts fest:

1.
Am 18.08.2004 führte er über die von ihm betriebene Internetseite des "Beschwerdezentrums" unter der Überschrift "Wanted Kennen Sie eine dieser Personen? (siehe unten)" Personen, die von ihm als "Sündige Ermittier, unfaire Jäger, Denunzianten, rechtsbeugende Richter und schwarze Schafe" bezeichnet und namentlich auf; dabei auch den ihm bekannten Stadtrechtsdirektor Markus Geißleer wie folgt" Stadt(un)rechtsdirektor Markus Geißler (Jahrgang '1947) Freiburg.

Die oben genannte Internetseite lautet weiter wie folgt: "Hier die Liste von Personen, die im Zusammenhang mit aktuellen Recherchen für uns von Bedeutung sind)". Danach werden mehrere Personen - zwei Richterinnen, ein Staatsanwalt, ein medizinischer Gutachter und ein Leiter einer Justizvollzugsanstalt sowie Stadtrechtsdirektor Markus Geißler - aufgeführt. Danach finden sich die Passagen: "... dann helfen Sie uns bitte bei unseren Recherchen" und
"eine Information kann mehr wert sein als eine Spende" und weiter
"Wir geben es ja zu: Ganz ohne Freude an der "Vertauschung der Rollen" ist diese Rubrik nicht entstanden. Ein Fokus des Beschwerdezentrums besteht ja darin, gegen (sündige) Ermittier zu ermitteln, (unfaire) Jäger zu jagen, Denunzianten als solche öffentlich zu denunzieren und (rechtsbeugende) Richter zu richten (zu brandmarken). Doch solche Freude wäre für uns niemals Grund (genug), eine solche Rubrik einzurichten. Es geht um etwas Ernsteres: Es geht darum durch Hintergrundinformationen das Handeln von Behördenvertretern und Juristen im Kontext ihrer jeweiligen Werte und Lebensumstände (besser) verstehen zu können." Insgesamt wird auf diesen Internetforum dazu aufgerufen, Hintergrundinformationen jeglicher Art über die oben bezeichneten Personen zu besorgen."

Durch diese Vorgehensweise versuchte der Angeklagte nicht nur an Informationen aus der privaten Sphäre von Herrn Geißler zu kommen, sondern auch diesen durch die oben erwähnten Formulierungen in seiner Ehre zu verletzen.

2.
In einem im Juli 2004 unter dem Datum 05. Juli 2004 in der Rubrik www.waldfkk.de herausgegebenen Flugblatt wendete sich der Angeklagte gegen Stadtoberverwaltungsrat Jürgen Weckerle, den ebenso wie Stadtamtsdirektor Geißler aufgrund seiner bereits seit Jahren dauernden Auseinandersetzung als sogenannter "Nacktläufer" kannte und als Gegner seiner Auffassung ansah. Das Flugblatt hatte folgenden Inhalt:
"Pressemitteilung - Flugblatt
Nach Stadt(UN)rechtsdirektor Markus Geißler nun wieder "Stadtoberverwaltungsrat" Jürgen Weckerle
Der Behördliche Terror gegen den Nacktläufer von Zwangsburg nimmt immer groteskere Formen an Wer Gesichtszüge zu "lesen" in der Lage ist, kann dem Herrn Oberverwaltungsrat die innere Haltung förmlich ansehen: Herr Weckerle ist tendenziell eher rückwärt gewandt, betreibt z. B. "Ahnenforschung" (www.stud.uni-karlsruhe.de/-unax/theweckerles/). Er ist ein Mann der Konventionen und wählt vermutlich "rechts" - obwohl er sich mit dem Grünen Oberbürgermeister von Freiburg (Zitat: "Der Nacktläufer hat doch eh ein Rad ab!") in diesem Punkt vermutlich sogar noch einig ist, denn unser OB ist zwar Schirmherr eines "ChristopherStreet-Day" in einem Dorf im Schwarzwald (das gehört heutzutage zur political correctness), aber als es darum ging, Toleranz zu beweisen, die noch nicht zur "political correctness" gehört (etwa der Wald-FKK-Bewegung gegenüber), da musste unser OB sich ja sogar von seiner Konkurrentin von der CDU in Sachen Toleranz eine Lektion erteilen lassen.
Herr Weckerle ist erfinderisch, wenn es um Schikanen und Verdrehung des Rechts geht.
Mein verehrter Herr Weckerle, ich hatte ja das zweifelhafte Vergnügen, mit Ihnen telefonieren zu dürfen, um Sie auf die Rechtswidrigkeit Ihres Handelns wenigsten hingewiesen zu haben. Es war ein Erlebnis, wie nach Nennung meines Namens die Atmosphäre derart erkaltete, dass mir der Telefonhörer in der Hand zu vereisen schien. Ihre Stimme nahm einen bedrohlichen, aber auch einen gehetzten Tonfall an, und ich meinte förmlich spüren zu können wie sich Ihre Augen, einer Raubkatz bei der Jagd vergleichbar, zu einem schmalen Schlitz verengten. Als ich Ihnen deutlich machte, dass Sie erneut gegen das Recht verstoßen mit dem, was Sie tun, dass Sie weder zu dieser Art von 'Umdeutung' des Urteils noch zur 'Verrechnung' das Recht haben, da die Forderungen längst abgetreten wurden, antworteten Sie mit nur notdürftig kassierter Aggressivität: 'Machen wir aber! - Sie können ja den Rechtsweg beschreiten!' - Ja, Herr Weckerle, ich weiß das ja, und die Bevölkerung soll es eben auch wissen: Sie machen das halt! Sie belügen halt 'notfalls' ein Gericht, wenn Sie anders Ihre ganz persönlichen Rachebedürfnisse einem Bürgerrechtler gegenüber nicht befriedigen können. Sie schaffen halt mit der Ihnen von den Bürgern der Stadt übertragenen staatlichen Macht einfach mal Fakten, entziehen einem Bürger rechtwidrig für Jahre (bis halt das Verwaltungsgericht auch über diesen Rechtsbruch entschieden hat) möglichst viel liquidität, missbrauchen halt Ihre Machstellung ohne jeden Skrupel. Nur: Das nutzt Ihnen in meinem Fall nichts - im Gegenteil: Sie werden dafür von mir vorgeführt (und sie liefern mir immer wieder neuen Anlass, Sie weiter vorführen zu können). Doch auch das ändert nichts, denn Sie können von Ihrem Handlungsmuster nicht lassen, weil es doch 'normalerweise immer funktioniert', nicht wahr? - Welcher Bürger, dem Sie machtmissbräuchlich etwas 'rein würgen', hat schon die Energie, sich dagegen so erfolgreich aufzulehnen, nicht wahr?"

Das Flugblatt wurde teilweise im Stadtgebiet von Freiburg verteilt, insbesondere im Umfeld der Wohnung des Geschädigten.

Auch hierdurch wollte der Angeklagte den Geschädigten in der Ehre herabsetzen.

Strafantrag wurde gemäß 9 194 Abs. 3 StGB form- und fristgerecht gestellt.

Der Angeklagte hat somit in zwei Fällen einen anderen beleidigt, 99 185, 53 StGB.

Auf die etwaige Wahrnehmung berechtigter Interessen konnte sich der Angeklagte entgegen seiner Auffassung nicht berufen. Die vom Angeklagten eingeräumten Äußerungen standen zwar im Zusammenhang mit seinem seit Jahren mit der Stadt Freiburg geführten Auseinandersetzung, dienten dabei jedoch erkennbar nicht dazu, seinem eigenen Standpunkt Erfolg zu verschaffen, sondern die beiden Geschädigten persönlich zu verletzen und diffamieren.

Angesichts des Hintergrunds der Auseinandersetzung, der Vorstrafenbelastung, aber auch des abgelegten Geständnisses war die Verhängung von Geldstrafen von jeweils 20 Tagessätzen schuld- und tatangemessen.

Die Höhe des einzelnen Tagessatzes konnte auf 30,00 € festgesetzt werden. Anhaltspunkte für die erforderliche Schätzung des Einkommens des Angeklagten lieferte insoweit sein an die Gerichtshilfe im Verfahren 25 Cs AK 2117/03 gerichtetes Schreiben.

Gemäß 9 42 StGB wurde dem Angeklagten gestattet, die Geldstrafe in monatlichen Raten von je 50,00 € zu bezahlen.

Die Kostenentscheidung folgt aus 9 465 Abs. 1 StPO.

Stark
Richter am Amtsgericht


Berufungsbegründung

25 Cs 250 Js 25380/04 – AK 2769/04 Urteil vom 28. 2. 2005, schriftliche Urteilsbegründung vom 4. 4. 2005 Zustellung am 8. April 2005 Berufung

Hiermit lege ich gegen das Urteil Berufung ein.

Begründung:

1. Es liegen keine Beleidigungen im Sinne von § 185 StGB vor
2. Selbst wenn bestimmte Äußerungen von den Betroffenen als ehrverletzend empfunden werden sollten, genießen diese Äußerungen dennoch den Schutz des Art. 5 I 1 GG, da es sich um Meinungsäuße-run-gen handelt, zu der jeder in Wort, Schrift und Bild berechtigt ist.

Vorbemerkungen:

Das “Beschwerdezentrum” ist ein Publikationsorgan im Internet (eine sog. Ezine), in dem leichtere oder schwere Fälle von Rechtsmissbrauch (Justiz), Behördenwillkür, Missbrauch von wirtschaftlicher Macht oder Medienmacht, Korruption oder Betrug durch die jeweiligen “Opfer” in öffentlich zugänglichen Diskussionsforen angeprangert werden können. Besonders schwere oder interessante Fälle werden redaktionell bearbeitet, in entsprechenden Rubriken vorgestellt und durch Pressemitteilungen in den ‚großen’ Medien bekannt gemacht.

Die Ezine ist in fünf große Rubriken unterteilt: www.justzirrtium.de für den Bereich der Justiz www.vergewaltung.info für den Bereich der Behörden www.fehlinformation.info für den Bereich Medien und Internet www.kundenreklamation für den Bereich Wirtschaftsmacht (incl. Banken und Versicherungen) www.machtmissbrauch.info für Abhängigkeitsverhältnisse (z. B. Chef/Untergebner) und Mobbing

In unserer Selbstdarstellung (http://www.beschwerdezentrum.org/konzept.htm) schreiben wir zu unseren Motiven:

„Es gibt in Deutschland jedes Jahr Tausende Fälle von Mord, Totschlag, Körperverletzung, Betrug, arglistiger Täuschung, Psychoterror, Machtmissbrauch, Amtsmissbrauch, Kor-rup-tion, Vertuschung, Diskriminierung von Minderheiten, unterlassener Hilfeleistung, Rufmord und Fehlinformation durch die Medien, tendentiöser Berichterstattung oder auch nur überhöhter Rechnungen, schlechtem Service usw. usw.

Damit all dies unser Leben nicht ‚zur Hölle werden lässt’, gibt es Gerichte, Schiedsstellen, Verbraucherschutzverbände, freiwillige Selbstkontrolle, Ehrengerichtsbarkeiten, Monitor, KONTRASTE, PANORAMA und FAKT. Es gibt den Kinderschutzbund und die ‚Gesellschaft für humanes Sterben’. Es gibt die "Stiftung Warentest" und Testzeitschriften für Computer, Autos oder HIFI-Geräte usw. usw.

Braucht es da auch noch ein "Beschwerdezentrum" im www?

Was machen wir denn, wenn wir vor Gericht kein Recht bekommen? (Selbst unser höchstes Gericht hat nach Meinung namhafter Juristen schon "Recht gebeugt" statt "Recht gesprochen".)

Was machen wir denn, wenn eine Behörde oder ein Unternehmen seine Macht missbraucht, dabei aber nicht direkt gegen Gesetze verstößt, so dass wir uns juristisch nicht wehren können?

Was machen wir denn, wenn wir in den Medien "verheizt" worden sind, aber in einer Weise, die gerade noch durch das "Recht auf freie Meinungsäußerung" gedeckt ist, so dass wir mit unserer Forderung nach einer "Gegendarstellung" nicht durchkommen?

Was machen wir also, allgemein gesprochen, wenn wir "Opfer" geworden sind, doch es greift kein Gesetz und den Medien ist der Fall nicht wichtig genug für eine Berichterstattung?

Dann stehen wir da und können nur "die Faust in der Tasche ballen" ... ... oder wir wenden uns an www.beschwerdezentrum.org“

Beweis:
Anlage 1, Ausdruck der Internetseite http://www.beschwerdezentrum.org/konzept.htm

Bezogen auf die Fälle von Rechtsmissbrauch arbeitet unsere (kleine) Redaktion im Auftrage des “Verein gegen Rechtsmissbrauch e. V.” (mit Sitz in Frankfurt:

Beweis::
Anlage 2, Ausdruck der Seite mit der URL http://www.justizirrtum.info/verein/index.htm

Die redaktionell gestalteten Artikel werden nach den in der freien Welt anerkannten journalistischen Grundsätzen erarbeitet (dazu zählt sorgfältige Recherche, gute Dokumentation, Obejektivi-tät usw.). Ich bin Mitglied im Deutschen Fachjournalisten-Verband (DFJV) und fühle mich als leitender Redakteur den ethischen Grundsätzen des Journalistenberufs zutiefst verpflichtet.

Eines der brisantesten Projekte des Beschwerdezentrums stellt die ‚Richterdatenbank’ dar: www.richterdatenbank.org

Auf der Titelseite der Richterdatenbank werden einleitend einige Zitate deutscher Juristen aufgelistet, u. a. ein Zitat des unter Juristen hoch angesehenen Ex-OLG-Richter Dr. Egon Schneider: „Es gibt in der deutschen Justiz zu viele machtbesessene, besserwissende und leider auch unfähige Richter, denen beizukommen offenbar ausgeschlossen ist.“

Unter Bezugnahme auf diese Zitate schreibe ich als verantwortlicher Redakteur: „Zitate, von denen jedes einzelne zutiefst erschüttet, insbesondere auch deshalb, weil drei dieser Zitate von Richtern selbst stammen, und zwar von hohen Richtern. - Bei mir als Nicht-Juristen erwecken diese Zitate den Eindruck, als hätten viele der ‚gutmeinenden’ Richter, derjenigen Richter, deren ethisches Empfinden (noch) intakt ist, mittlerweile resigniert, als sähen sie keine realistische Chance mehr, die Missstände in ihrem eigenen Berufsstand zu verbessern, als seien sie auf ‚Hilfe von außen’ angewiesen, auf Unterstützung und Stärkung durch Politik und Öffentlichkeit, um evtl. doch noch etwas bewegen zu können. (‚Ich resigniere, aber ich mache weiter!’, Dr. Egon Schneider)“

Beweis:
Anlage 3, Ausdruck der Seite mit der URL http://www.richterdatenbank.org/richterdatenbank/

Gegen Ende des einleitenden Artikels auf der Titelseite der Richterdatenbank schreibe ich: „Das wir mit dieser Datenbank nicht wollen, ist ‚Jagd auf Richter’ machen. Gerade die eingangs aufgeführten Zitate von (leider überwiegend ehemaligen) Richtern machen deutlich, dass viele Richter ja selbst die Zustände in der Justiz kritisieren und unter diesen Zuständen leiden bzw. gelitten haben. Wer Fachzeitschriften wie die ‚Neue juristische Wochenzeitschrift liest, wird tatsächlich auch immer wieder Artikel finden, die von einer überzeugend vermittelten Ethik getragen sind und ein hohes Maß an kritischer Distanz dem eigenen Berufsstand gegenüber dokumentieren. Dies gilt insbesondere für die von Juristen gemachte Zeitschrift 'Betrifft JUSTIZ'.

Wir verstehen daher auch das Eingangszitat von Bertolt Brecht nicht als Beschreibung der realen Verhältnisse, speziell in Deutschland, die wörtlich zu nehmen erlaubt wäre (die angeführten Richter-Zitate widerlegen Brecht ja geradezu). Das Zitat ist Polemik, aber es ist eine nur zu verständliche Polemik, denn der Justiz sind wir alle, völlig ohnmächtig, ausgeliefert ("Vor Gericht und auf hoher See ist man 'in Gottes Hand'."), und ohnmächtig Willkür ausgesetzt zu sein, erzeugt Hass.

Uns geht es um die Richter, die der ehemalige Richter am Oberlandesgericht, Dr. Egon Schneider, mit seinem Zitat im Auge hat (machtbesessen, unfähig, besserwissend), und nach seiner Aussage und unseren leidvollen Erfahrungen gibt es von dieser Sorte leider eben viele, zu viele!

Wir werden uns sehr um Fairness bemühen, denn wir wollen die ehrlichen Richter, die Richter vom Schlage Schneider oder Huhn ja unterstützen, wie oben beschrieben. Soweit wir die Möglichkeit haben, werden wir dazu Verhandlungen persönlich beiwohnen.“

Aus diesen Zitaten und aus der Tatsache, dass ich einen erheblichen Teil meiner freien Zeit in die Arbeit für das Beschwerdezentrum investiere, ist meine Motivation unmissverständlich ablesbar: Es geht um eine gesellschaftspolitisches Engagement. Nur vorsorglich sei einem Einwand begegnet, nämlich dem Einwand, meine Motivation sei Rache für selbst durch Behörden und Justiz in Freiburg erlittene Ungerechtigkeit. Dieser Vorwurf dürfte sehr schwer in Einklang zu bringen sein mit der Tatsache, dass ich, um nur ein Beispiel zu nennen, für den aktuellen LeiDartikel in der Rubrik ‚Justiz’ (siehe Anlage 4: ‚Und der wirkliche Mörder läuft noch immer frei herum!’) etwa 100 Stunden Arbeit zu investieren hatte, die kritisierten Behördenmitarbeiter und Juristen sind allerdings nicht aus Freiburg, sondern aus Sachsen. Es ist außerdem nicht ungewöhnlich, dass ein bestimmtes gesellschaftspolitisches Engagement Folge eines traumatischen Erlebnisses ist (man denke an den Mann, dem wir die Notrufsäulen an den Straßenrändern verdanken).

Ende der Vorbemerkungen

Zum Fall Geißler

Zu 1:
Auf einer zum Beschwerdezentrum gehörenden Unterseite mit dem Titel ‚WANTED’ bitten wir die Leser des Beschwerdezentrums um Mitarbeit. Es heißt dort:
„Wir in der Redaktion des Beschwerdezentrums und der Richterdatenbank arbeiten ehrenamtlich und haben kein Budget. Von kleineren Spenden abgesehen und einem Beitrag zu unseren Sach-kosten, der für von uns redaktionell bearbeitete Fälle von Beschwerdeführern entrichtet werden muss (€ 50,-), haben wir keine Einnahmen, insbesondere keine Werbeeinnahmen. Wir können es uns daher zwar leisten, einen hochbrisanten kompromittierenden Brief des 'Verbandes der Energieversorgungsunternehmen' (siehe Die Tricks der Energieversorgungs-Mafia) zu publizieren, den zu publizieren ein großes Nachrichten-Magazin sich nicht traute, weil wir durch diese 'Provokation' keinen (Anzeigen-) Kunden verlieren können, der jährlich für einige Millionen Euro Anzeigen bei uns geschaltet hat (wir haben nämlich keine Anzeigenkunden und können also auch keine Anzeigenkunden verlieren), aber genau das ist auch unser Problem, denn die finanzielle Enge schränkt unseren Bewegungsspielraum ein. - Aus diesem Grunde bitten wir Sie, verehrte Leserinnen und Leser, um praktische Hilfe, die Sie weder Geld noch Mühe kostet.“

Beweis:
Anlage 5, Ausdruck der Seite mit der URL http://www.beschwerdezentrum.org/_aktuell/WANTED.htm

Es gehört zu den alltäglichen Aufgaben von Journalisten, Informationen zu sammeln, unter anderem auch solchen Informationen, die das Handeln von gesellschaftlich bedeutsamen Akteuren (dazu zählen insbesondere Politiker, Juristen und Behördenmitarbeiter) durchsichtig und verständlich zu machen. – Es ist üblich und selbstverständlich, dass auch und gerade gesellschaftskritische Seiten darum bemüht sind und sein müssen, Informationen ‚unterhaltsam’ darzubieten. Die leicht satirische Gestaltung der Seite (insbesondere durch den Titel ‚WANTED’) dient genau diesem Zweck. Bereits daraus eine ehrverletzende Absicht herzuleiten, ist daher objektiv nicht begründbar. Es geht hier immerhin um ein Grundrecht! Es könnte also nur darum gehen, den Vorwurf durch Nennung konkreter ehrverletzender Äußerungen zu konkretisieren. Doch daran fehlt es!

Auf der gesamten Seite ist keine einzige ehrverletzende Aussage zu finden! Insbesondere wurde weder über Herrn Geißler noch über eine andere Person aus der Liste derer, über die wir uns Informationen wünschen, irgendeine Aussage gemacht, schon gar keine ehrverletzende. Es wäre absurd, die reine Tatsache, dass wir Recherchen zu bestimmten Behördenvertretern anstellen, bereits als ‚Beleidigung’ zu werten. Derartige Recherchen gehören zu den alltäglichen Aufgaben von Journalisten.

So wundert es nicht, dass das Urteil des Amtsgerichts durch ein völliges Fehlen jeglicher Begründungen imponiert. Es werden von mir verfasste Texte zitiert und dann wird übergangslos einfach behauptet: „Durch diese Vorgehensweise versuchte der Angeklagte nicht nur an Informationen aus der privaten Sphäre von Herrn Geißler zu kommen, sondern auch diesen durch die oben erwähnten Formulierungen in seiner Ehre zu verletzen."

Angesichts der Bedeutung des hier vom Beschuldigten in Anspruch genommenen Grundrechts kann man von einem Gericht erwarten, dass es explizit macht, worin denn in den zitierten Texten die Ehrverletzung bestehen soll.

Zur Begründung für diese Ansicht zitiere ich aus einem Urteil des Oberlandesgericht Frankfurt. Es geht um einen Fall, in dem ein Angeklagter einen Richter der Rechtsbeugung bezichtigt hatte.

Dort heißt es:
„Unter Beleidigung i. S. von § 185 StGB ist der rechtswidrige Angriff auf die Ehre eines anderen durch vorsätzliche Kundgebung der Missachtung oder Nichtbeachtung zu verstehen. Erforderlich ist eine Äußerung, die dem Betroffenen den personellen, sittlichen oder sozialen Geltungswert durch Zuschreiben negativer Qualitäten ausdrücklich oder in Form einer Implikation abspricht (vgl. OLG Düsseldorf, NJW 1998, 3214 [3215]). ... Eine nachprüfbare, auf den objektiven Sinngehalt der Äußerungen des Angeklagten eingehende Beweiswürdigung hat das LG nicht angestellt. Es wäre jedoch Pflicht gewesen, es nicht bei der Mitteilung des Wortlauts der beanstandeten Erklärungen des Angeklagten zu belassen, sondern die gesamten Begleitumstände mit zu würdigen, um dem Gehalt der Äußerungen in der konkreten Situation zu erfassen. ... Solche Feststellungen sind gerade deshalb notwendig, weil ... überprüft werden muss, ob der Tatrichter ‚bei der Feststellung und Würdigung des Tatbestands ... die verfassungsrechtlich gewährleistete Meinungsfreiheit verletzt’ hat, was schon dann der Fall sein kann, ‚wenn der Inhalt einer schriftlichen Äußerung zu ermitteln ist und der Äußerung eine Bedeutung gegeben wird, die sich aus ihrem Wortlaut nicht oder nicht mit hinreichender Klarheit ergibt.’ “ (OLG Frankfurt, Beschluss vom 2. 10. 2002, 1 Ss 329/01)

Ergänzend zu diesem Text sei angemerkt, dass auf der vom Amtgericht Freiburg zitierten Seite des Beschwerdezentrums folgender Satz von mir zu lesen ist: "Es geht uns um etwas Ernsteres: Es geht darum, durch Hintergrundinformationen das Handeln von Behördenvertretern und Juristen im Kontext ihrer jeweiligen Werte und Lebensumstände (besser) verstehen zu können.“ – Es dürfte dem Amtsgericht sehr schwer gefallen sein, aus diesem Motiv eine ehrverletzende Absicht zu konstuieren, d. h. argumentativ zu begründen. Das Gericht zog es daher offensichtlich vor, auf eine Begründung von vornherein zu verzichten.

Zu 2 und zum Fall Weckerle:

In dem oben zitierten Urteil heißt es weiter: „Ergibt die Prüfung, dass es sich um eine Tatsachenbehauptung handelt, hängt ihre Zulässigkeit von ihrem Wahrheitsgehalt ab. Ihr Schutz endet da, wo sie zu der verfassungsrechtlich vorausgesetzten Meinungsbildung nichts beitragen kann, so dass jedenfalls die bewusst oder erwiesen unwahren Tatsachenbehauptungen nicht vom Schutz der Meinungsfreiheit erfasst sind. Bei bewusst unwahren Tatsachenbehauptungen scheidet daher auch eine Berufung auf den Rechtfertigungsgrund des § 193 StGB (Wahrnehmung berechtigter Interessen) grundsätzlich aus.
Erweist sich die Äußerung dagegen als ein Werturteil bzw. als Meinungskundgabe, geht die Meinungsfreiheit grundsätzlich dem Persönlichkeitsschutz vor, ohne dass es darauf ankommt, ob die Äußerung begründet oder grundlos, emotional oder rational, scharf oder verletztend formuliert ist, als wertvoll oder wertlos, gefährlich oder harmlos eingestuft wird. Im 'Kampf um das Recht' darf ein Verfahrensbeteiligter auch starke eindringliche Ausdrücke und sinnfällige Schlagworte benutzen, um seine Rechtsposition zu unterstreichen.


Juristen beklagen den Missbrauch des Beleidigungsparagraphen durch ihre Kollegen
Aktenzeichen: 25 Cs 250 Js 25380/04 AK 2769/04
Datum: 0000-00-00

Richter:

Klaus-Dieter Stark (Jg. 1960)
Spitzname: »Schwacher Auftritt«
Ab 03.02.1992 Richter bzw. StA im Richterverhältnis auf Probe

Gericht:

Amtsgericht Freiburg
Holzmarkt 2
D-79098 Freiburg
TV mit dem VgR
Interview Rolf Bossi

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