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Reportage: Zehn mal vergewaltigt, und noch immer Jungfrau? - Schwere Vorwürfe gg das Marienhospital Papenburg, Abt. Jugendpsychiatrie (unter Leitg. von Dr. Filip Caby)

Am 29. 1. 1996 wurde ein Mann wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt, trotz 'erwiesener Unschuld'! Diese Formulierung benutzt Sabine Rückert, Redakteurin bei DIE ZEIT (einen ihrer zahlreichen erschütternden Berichte über diesen widerlichen Justizskandal finden Sie hier).

Eine wichtige Rolle in diesem Skandal spielte, wie immer, der Gutachter, der die Glaubwürdigkeit der Zeugin zu begutachten hatte. Das vermeintliche Opfer wurde von der Abteilung für Jugendpsychiatrie des Marienhospitals in Osnabrück untersucht, und nach dem Freispruch wurden gegen diese Institution schwere Vorwürfe laut. Hier ein Auszug aus einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 15. 12. 2005:

«Im Rahmen der Verhandlung in Oldenburg tauchte zufällig ein Brief auf, den die damalige Patientin bereits am 11. Januar 1995 an das Personal der Kinder- und Jugendpsychiatrie verfasst hatte. Darin schrieb sie: "Ich bin nicht von ihm vergewaltigt worden." Nicht nur aus diesem Grund erhob der Verteidiger Johann Schwenn schwere Vorwürfe gegen die Therapeuten und Psychologen des Papenburger Hospitals. Er kündigte an: "Diese Leute werden alle dafür gerade stehen, was sie meinem Mandanten angetan haben."»

Wir können nur hoffen, dass soetwas heute, nachdem der Bundesgerichtshof den Gutachtern die Leviten gelesen hat und ihnen einige elementare Grundsätze vorgegeben hat, wie ein psychologisches (Glaubwürdigkeits-) Gutachten auszusehen hat (siehe das Urteil vom 30. 7. 1999), nicht mehr passieren könnte ...

Siehe auch folgenden Programmhinweis des Senders 3SAT zur Neu-Erscheinung des Buches der ZEIT-Redakteurin Sabine Rückert Unrecht im Namen des Volkes. Zitat aus einem Interview mit Sabine Rückert:
«Bernhard M. war nicht das einzige Opfer seiner Nichte Amelie. Das Mädchen behauptete, ihr Vater, Adolf S., hätte sich über Jahre an ihr vergangen. Im November 1994 zeigte sie ihn an. Wegen Vergewaltigung in mindestens zehn Fällen wurde er 1995 vom Landgericht Osnabrück zu sieben Jahren Haft verurteilt. Das gleiche Gericht sah es knapp ein Jahr später als erwiesen an, dass auch Bernhard M. ein Vergewaltiger ist. Die beiden Männer saßen ihre Haft vollständig ab. Sogar den Bundesgerichtshof passierten die Urteile anstandslos, eine Revision wurde verworfen.
Erst die Recherchen der "Zeit"-Journalistin Sabine Rückert offenbarten 2002 schier unglaubliche Mängel in der Beweiswürdigung der Osnabrücker Richter. "Was mich wirklich während dieser Recherche erschüttert hat, war, dass ich Dinge gefunden habe, die das Gericht hätte finden müssen, denn in den Akten stand das auch schon vorher, dass sich die Zeugen abgesprochen hatten, und dass die Hauptbelastungszeugin ihre Aussagen der Alibilage angepasst hat", berichtet sie. "Auch das stand in den Akten, da hatte ich es ja her."
Dazu kam der Hinweis eines Gutachters: Was er nach 14 Vergewaltigungen und einer Abtreibung mit einem Kleiderbügel für ein Wunder hielt, war den Richtern kaum der Rede wert. Das angeblich vergewaltigte Mädchen war immer noch Jungfrau. Amelie wollte sich, so Rückert, mit ihren Beschuldigungen rächen, am gewalttätigen Vater, einem Haustyrannen, am Onkel, weil er ihre Vorwürfe gegen den Vater bezweifelte. Nach einem Selbstmordversuch wurde die 18-Jährige auf der kinderpsychiatrischen Abteilung des örtlichen Krankenhauses behandelt und von wohlmeinenden Helfern offenbar darin bestärkt, sich als Vergewaltigungsopfer in Szene zu setzen.
Berichte über Kindesmissbrauch bestimmten in den 90er Jahren die Schlagzeilen. Jeder Mann war ein potentieller Vergewaltiger, jedes Kind ein Opfer. Es war ein Missbrauch des Missbrauchs. Rückert spricht von den "Schattenseiten des Feminismus", macht vor allem aber Pflichtverstöße von Ärzten, Richtern und Staatsanwälten für die Fehlurteile verantwortlich. "Sie haben sich nicht an die professionellen Standards gehalten", sagt sie. "Das ist das eine, das Wesentliche. Warum haben sie es nicht getan? Weil sie emotional berührt waren. Weil sie hinweggerissen waren von dem Mitleid mit diesem Kind und von der allgemeinen Aufbruchsstimmung Richtung Frauen, Missbrauchsopfer müssen unterstützt werden. Diese in den 90er Jahren grassierende Ideologie muss das Gericht erfasst haben, anders ist das nicht denkbar. Man muss wirklich alle Augen zugemacht haben, um diese Dinge nicht zu sehen." »



Aktenzeichen:
Datum: 0000-00-00

Gutachter:

Dr. Filip Caby (Jg. 1956)
Ab 01.01.1994 Leiter der Abteilung Jugendpsychiatrie

Institution:

Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Marienhospital
Homepage der Klinik
D-26871 Papenburg/Aschendorf
TV mit dem VgR

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